
IHK Magazin Nr. 11/2009
„Auf einer Polizeiwache hat ein betrunkener Elsässer für die Anonymen Alkoholiker geworben und damit prompt seinen Führerschein eingebüßt. Der arbeitslose 56-Jährige tauchte auf der Wache auf, um Plakate mit der Aufschrift ‚Alkohol – Darüber reden, um sich zu befreien‘ zu verteilen.“ Diese und andere aktuelle Nachrichten schallten am Sonntag, den 4. Oktober, in regelmäßigen Abständen durch das Karlsruher IHK Haus der Wirtschaft. Gesprochen von Schülerinnen und Schülern, die sich in der Regel zum ersten Mal in ihrem Leben, als Nachrichtensprecher versuchten. Der SWR, der mit seinem mobilen Studio Hauptaussteller bei der Ausbildungs- und Informationsmesse der IHK Karlsruhe war, hatte hier Gelegenheit, das eine oder andere Talent für einen künftigen Job bei Radio oder Fernsehen zu rekrutieren. Insgesamt 20 Ausbildungsberufe und Studiengänge stellte der Sender vor. Aber auch die Theater der Region, die Medienunternehmen und Betriebe aus der Event- und Druckbranche präsentierten sich und ihre Ausbildungsgänge. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hatte sein eigenes Fotostudio; die visuell GmbH bot eine Kurzeinweisung in die Bildbearbeitung mit Photoshop, Studenten der Hochschule für Gestaltung zeigten ihre Kreativität anhand von Würfeln, die bei Bewegung Musik von sich gaben oder interaktiven Trommelrhythmen am Bildschirm. Einen Augenschmaus bot die Modenschau der Firma Heine, die von Auszubildenden organisiert und hoch professionell mit sichtlicher Freude präsentiert wurde. Arbeitskleidung, Abendkleidung oder Accessoires wurden in regelrechten Tanzperformances vorgeführt. Zum Auftakt der Veranstaltung hatte sich eine Reihe illustrer Gäste unter der Moderation von Mathias Zurawski vom SWRStudio Karlsruhe der Frage gestellt: „Wie kann man Jugendliche an qualitativ bildende Medien heranführen“. „Jedes Medium kann man gebrauchen und missbrauchen“, war die These von SWR-Chefredakteur Arthur Landwehr und in gewisser Weise auch das Fazit der Diskussionsrunde. Selbstverständlich geisterten die Schlagworte „World of Warcraft“ oder Schüler VZ durch die Wortbeiträge.
Diskussion über Qualitäts-Medien
„Auch diese Medien sind durchaus von großer Bedeutung“, so Dr. Peter Jaklin, stellvertretender Direktor des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg. Der Vertreter der Zielgruppe, Fabio Ringwald, Schülersprecher des Markgrafen-Gymnasiums Durlach, bekräftigte diese Aussage: „Das, was früher Fangenspielen im Wald war, ist jetzt das Computerspiel. Es ist aufregend und spannend.“ „Aber wo bleibt die Qualitätskontrolle bei solchen Spielen oder bei Sendungen wie Dschungel-Camp?“ fragte Generalintendant Achim Thorwald. „Wer warnt die jungen Menschen vor den Gefahren gewisser Computerspiele oder Fernsehsendungen? Oder vor dem Mobbing in den Internet-Plattformen?“ Darauf gab der Schülersprecher selbst die Antwort: „Eigentlich können das nur die Eltern tun.“ Wolfram Jäger, Kulturbürgermeister der Stadt Karlsruhe, ergänzte: „Oder bei bildungsfernen Schichten muss der Lehrer einspringen.“ Warnungen oder Verbote würden wenig bringen. Es sei vielmehr wichtig, zum einen aufzuklären und zum anderen Alternativen zu schaffen, die „ähnliche Emotionalität erzeugen, ein ähnliches Gemeinschaftsgefühl, aber auf Gewalt verzichten.“ Als positive Beispiele für qualitativ hochwertige Medien wurden sowohl das SWRHörfunkprogramm „Das Ding“ genannt, das aktuelle Themen in kurzen Sätzen aufbereitet und mit aktueller Musik kombiniert, oder das SWR Schulfernsehen, die Jugendclubs des Badischen Staatstheaters, in denen junge Leute selbst kreativ sein können und Theater gestalten oder das Kinderkulturfestival oder die Literaturtage der Stadt. Fabio Ringwald erklärte dazu: „Es gibt in der Tat tolle Angebote. Sie müssen nur bekannter gemacht werden.“ Insgesamt war der siebte Regionaltag der TechnologieRegion Karlsruhe (TRK) ein voller Erfolg. Ob Zeitung oder Sender, Buch- und Medienmesse in Baden-Baden oder Präsentation interaktiver 3D-Technologie: Bis zu 30.000 Besucher strömten ins „MedienReich“, um an 50 Orten einen Blick hinter die Kulissen der Medien zu werfen.


