Regionaltag am 28. September 2008

BNN, Ausgabe Bühl 2. Oktober 2007

 

Im Museum darf angefasst werden
Bühler Konzept zum Regionaltag ging auf / Neue Einrichtung lockte zahlreiche Gäste an

 

Bühl (ane). "Fass doch ruhig mal an und schau auch in die Schubladen", ermunterte Michael Rumpf die Besucher des neuen Stadtmuseums immer wieder, wenn sie genauer wissen wollten, wie in der Steinzeit Löcher in die harten Waffen gebohrt wurden und wie unter dem dicken borstigen Fell der erlegten Wildsauen ohne Chemie und Maschinen das Leder herausgearbeitet werden kann. Geschichte zum Anfassen, das kam gut an. "Schon eine halbe Stunde vor der ersten Führung stand der erste Besucherpulk bereit", freute sich die Leiterin der Touristik-Information über die gute Resonanz, die der Regionaltag bescherte. Denn Brigitte Hensel stand selbst im Foyer bereit - mit Weinproben aus dem Affentaler Keller oder mit Informationen über Ausflugsziele, Wanderwege und Fahrradrouten. Und das Konzept ging in vielfacher Hinsicht auf. Zum einen war es eine große Gruppe, die noch vor der ersten anberaumten Führung durch vergangene Bühler Zeiten per Velo an den Start geschickt wurde, um auf zwei Rädern und mit Körperkraft unter Leitung von Karl Müller und Johanna Jantschik vom ADFC zum Baden Airpark zu radeln. Zum anderen fühlten sich auch die echten Museum-Neulinge beim Geschichts-Exkurs pudelwohl. "Dass man überall Schubladen aufmachen kann, hat mir besonders gut gefallen", begeisterte sich Anika Siewert (12) für die historische Entdeckungsreise und war sich darin ganz klar mit ihrem achtjährigen Bruder Jona einig, dass auch das "Selber machen" eine tolle Sache sei. "So ist das auch gedacht", freute sich Michael Rumpf, der das Stadtgeschichtliche Institut in Neusatz leitet. "Beim Betreten eines Museums werden Kinder meist von ihren Eltern ermahnt. ,Fass bloss nichts an.' Aber das ist bei uns ganz anderes. Im Gegenteil. Hier soll angefasst und entdeckt werden."

 

Die erste Hürde galt es dabei für manchen Auswärtigen schon im Vorfeld zu nehmen. Denn bevor er die liebevoll aufbereiteten Exponate entdecken konnte, musste er das Museum erst einmal finden. Denn die Beschilderung ist noch nicht durchgängig und offenbar, wie zuweilen bemängelt wurde, noch nicht hinreichend. Das trübte die Freude der "Hobby-Historiker" jedoch nicht wirklich. Dafür gab es zuviel zu sehen, wiederzusehen und anzufassen. "Das ist ja nicht zu glauben", schmunzelte Gisi Weber, als sie eine 1963er Ausgabe der Jugendzeitschrift Bravo in Händen hielt, vom deren Titelblatt ihr Pat Boone entgegenstrahlte, während eine Schlagzeile unter seinem Konterfei einen Starschnitt von Caterina Valente im Heftinnern ankündigte.

 

Während ihr Mann Bodo mit gewisser Erfurcht die "Film-Revue" desselben Jahrgangs bewunderte, die von Sophia Loren geziert wurde, stöberten Jona und Anika weiter in "fremden" Schubladen. Hanf, Geldstücke, alte Bücher und Dokumente, aber auch Tücher, fanden sich darin und wollten entdeckt werden. "Das macht ganz viel Spaß." Und fast automatisch lernt der Besucher auf diesem Wege eine ganze Menge über seine Heimatstadt, erfährt, dass es ehedem eine "Agentur für Auswanderer nach Amerika" gegeben hat, dass die Züge laut "Eisenbahnfahrplan vom 15. Mai 1881" entweder "aufwärts" oder "abwärts" fuhren, nicht aber in bestimmte Städte. "Wir sind von dem großen Zulauf angenehm überrascht", freute sich Brigitte Hasel über die Resonanz des Regionaltags. Zwar sei der Sonntag ohnedies ein beliebter Museumstag. Dass die Besucher aber schon am Vormittag in so großer Zahl herbeistürmen, habe sie bislang noch nicht erlebt.

 

Das Museum hat dienstags und donnerstags von jeweils 9 bis 13 Uhr geöffnet, am Sonntag von 14 bis 18 Uhr. Führungen gibt es auch zu anderen Zeiten nach Voranmeldung unter Telefon (0 72 23) 94 08 76. Der Eintritt ist frei.


Bild

Hier finden Sie Informationen zu den Veranstaltungen: